Der Mehrwert des Buchs und des Pinguins

Sie sind skeptisch, ob die Frage nach dem Mehrwert eines Mediums Sinn macht bzw. ob sich die Frage nach dem Mehrwert auf digitale Medien beschränken lässt? Tatsächlich sind Sie mit Ihrer Skepsis nicht alleine. Um die Position der Kritiker des Mehrwerts zu verstehen, ist es hilfreich, sich noch einmal zu vergegenwärtigen, welchem Medienbegriff wir folgen.

Alle aufgeführten Begriffe sind Medien, und zwar

primäre Medien (also Medien, die weder beim Produktions- noch beim Rezeptionsprozess technische Unterstützung benötigen)

bzw.

sekundäre Medien (also Medien, die beim Produktionsprozess, nicht aber beim Rezeptionsprozess technische Unterstützung benötigen)

bzw.

tertiäre Medien (also Medien, die sowohl beim Produktionsprozess als auch beim Rezeptionsprozess technische Unterstützung benötigen)

bzw.

quartäre Medien (also Medien, die sowohl beim Produktionsprozess, beim Rezeptionsprozess als auch bei der Distribution technische Unterstützung benötigen und bei denen sich die traditionelle Sender-Empfänger-Relation auflöst).

Eine wichtige Erkenntnis aus der obigen Frage ist, dass Unterricht nicht erst durch digitale Medien medienintegrativ geworden ist, sondern dass er schon immer medienintegrativ war.  Allerdings ist es uns im Alltag selten bewusst, dass es sich auch bei der Schrift und beim gedruckten Buch um Hochtechnologien handelt – mit einem Unterschied: Wir nehmen sie als solche nicht mehr wahr, da ihr Einsatz so selbstverständlich geworden ist, dass uns ihr Status als Medium nicht weiter auffällt.

 

„Das bedeutet: Es gibt keinen Unterricht ohne Medien. Oder wahlweise: Man kann nicht nicht-medial unterrichten.
Vor diesem Hintergrund ergeben sich (mindestens) drei problematische Aspekte:

  1. Es gibt keinen erkennbaren Grund, die Frage nach dem Mehrwert nur beim Einsatz bestimmter technischer Medien (z.B. beim Smartphone, nicht aber beim Buch oder Arbeitsblatt) zu stellen.
  2. Es fehlt eine Begründung dafür, warum nicht-technische Medien (d.h. die Stimme oder der Mensch) gar keinen Mehrwert-Test bestehen müssen: Wäre es nicht sinnvoll, sicherzustellen, dass Lehrer(in) A gegenüber Lehrer(in) B einen Mehrwert aufweist, bevor er oder sie in den Unterricht integriert wird?
  3. Es ist nicht nachvollziehbar, warum bestimmte mediale Formen einen höheren Wert haben müssen als andere, bevor sie legitimerweise im Unterricht eingesetzt werden dürfen: Würde nicht ein Gleich-Wert genügen?

Diese Analyse macht einen konservativ-bewahrpädagogischen Effekt sichtbar: Die selbstverständlich genutzten Medien des traditionellen Unterrichts müssen zum Mehrwert-Test entweder gar nicht antreten oder sie entscheiden den Vergleich mit digitalen Medien auch dann für sich, wenn sie lediglich gleichwertig sind: Ein Unentschieden zählt als Sieg des bewährten Systems. In der aktuellen Phase der gesellschaftlichen Leitmedientransformation (vgl. hierzu Brandhofer 2016) sehen progressive Prinzipien zeitgemäßer Schulentwicklung gewiss anders aus.“
(Krommer 2018a)

Die Frage nach dem Mehrwert digitaler Medien ist laut Jöran Muuß-Merholz, Medienexperte und -pädagoge, das „größte Missverständnis in der Diskussion um digitale Medien.“

Wie wir diese Diskussion besser führen können und was das alles mit Pinguinen zu tun hat, erfahren Sie im folgenden Video.

 

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Die Pinguin-Medienmetapher: eine etwas andere Definition von digitalen Medien (Jöran Muuß-Merholz) (Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=cLaNeNbVQyQ)

Und was folgt daraus?

Vor diesem Hintergrund möchten wir wieder eine vorläufige These formulieren:

Auch wenn man von einem Gleichwert der Medien ausgeht, müssen sie sich empirisch vergleichen lassen können.

Reflektieren Sie diese These und entscheiden Sie sich dann, welcher Aussagen Sie eher zustimmen würden.
Klicken Sie auf die Aussage, der Sie am ehesten zustimmen.