Die Schreibkugel

Dass alleine die Wahl eines Mediums Auswirkungen auf unser Denken und Handeln hat, ist keine ganz neue Erkenntnis.

Hier ein Beispiel:
Der Philosoph Friedrich Nietzsche erhielt 1882 einen Brief seines Freundes Heinrich Köselitz. Köselitz schrieb:

„Für Ihre gütig übersandte Schriftprobe danke ich Ihnen vielmals herzlich. Sowohl von der Deutlichkeit der Lettern, noch mehr aber von der Kernigkeit der Sprüche war ich sehr überrascht. […] Nun möchte ich gern sehen, wie mit dem Schreibapparat manipuliert wird, ich denke mir, dass es viel Übung kostet, bis die Zeilen laufen. Vielleicht gewöhnen Sie sich mit diesem Instrument gar eine neue Ausdrucksweise an […].“

Köselitz sprach von einem neuen Medium – der „Schreibkugel“.

Bild einer kugelförmigen Schreibmaschine
Foto: B.-Christoph Streckhardt, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=35558619

Die Schreibkugel war eine Art Schreibmaschine, über die Nietzsche seinem Freund Köselitz Folgendes antwortete:

Sie haben Recht: unser Schreibzeug arbeitet mit an unseren Gedanken. Wann werde ich es über meine Finger bringen, einen langen Satz zu drücken!

Nietzsche erkannte, welchen Einfluss die Wahl des Mediums auf sein Denken hatte, und er erkannte, dass es sehr wohl einen Unterscheid macht, ob man mit der Hand schreibt oder mit einer Schreibmaschine.

 

Heutzutage stellen sich ähnliche Fragen. Welcher Stellenwert der Handschrift unter den Bedingungen der Digitalisierung zukommt, wollen wir an dieser Stelle nicht diskutieren, dass die Wahl des Schreibmediums aber sehr wohl großen Einfluss haben kann (vgl. Krommer 2018c), erkennen Sie vielleicht an folgender Überlegung: Während Ihres Studiums schreiben bzw. schrieben Sie wahrscheinlich alle wichtigen Texte mit Ihrem Computer. Ihr Staatsexamen aber schreiben/schrieben Sie mit der Hand.

  1. Reflektieren Sie mit Ihrer Lerngruppe, inwiefern die Wahl des Schreibmediums Auswirkungen hat auf Ihren Schreibprozess.
  2. Nehmen Sie vor diesem Hintergrund Stellung zur These, dass die Integration von Medien für sich alleine noch keine Auswirkungen auf den Unterricht hat. Verdeutlichen Sie Ihre Überlegungen möglichst an einem anderen konkreten Beispiel.

Die Art der Navigation durch dieses Modul hat ein Problem, das mit dem Begriff des Confirmation-Bias gut beschrieben ist:

 

„Der Begriff Bestätigungsfehler, Bestätigungs-Irrtum, Bestätigungstendenz bzw. confirmation bias bezeichnet in der Kognitionspsychologie die Neigung von Menschen, Informationen so auszuwählen, zu suchen und zu interpretieren, dass diese die eigenen Erwartungen bestätigen. Dabei werden  Informationen ausgeblendet, die eigene Erwartungen widerlegen könnten, sodass man einer Selbsttäuschung oder einem Selbstbetrug erliegt. Dieser Confirmation Bias bewirkt etwa bei Entscheidungen, dass man nur nach jenen Gründen sucht, die die eigene Entscheidung bestätigen. Der confirmation bias ist ein wesentlicher Aspekt der selektiven Wahrnehmung.“ (Stangl, 2021).

 

Sie sollten also nun auch die Position der Mehrwert-Gegner kennenlernen und erfahren, warum die Diskussion um den Mehrwert als das größte Missverständnis in der Diskuission um digitale Medien bezeichnet wird. Klicken Sie auf den Pinguin – auch er wird gleich eine wesentliche Rolle spielen.