Seit dem 10. Dezember 2025 gilt in Australien ein Gesetz, das Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren daran hindert, eigene Social-Media-Konten auf Plattformen wie TikTok, Instagram, Snapchat und YouTube zu besitzen, um sie vor schädlichen Inhalten zu schützen, wobei die Verantwortung bei den Plattformen liegt, die hohe Strafen bei Nichteinhaltung riskieren. Das weltweit einzigartige Verbot zielt auf den Schutz vor Cybermobbing und gefährlichen Inhalten ab und betrifft nicht WhatsApp oder Pinterest, die ausgenommen sind. Und auch in Deutschland werden solche Forderungen laut.
Verbot als Scheinlösung
Medienwissenschaftler der FAU Erlangen-Nürnberg bezeichnen ein solches Verbot jedoch als "Scheinlösung":
„Ein Großteil der Jugendlichen entwickelt überhaupt kein riskantes oder pathologisches Nutzungsverhalten“, unterstreicht Professor Dr. Rudolf Kammerl. „Ein generelles Verbot würde deren Rechte auf Teilhabe, Meinungs- und Informationsfreiheit beschränken“, ergänzt Dr. Jane Müller. Und weiter: „Auch politische Bildung findet mittlerweile in den sozialen Medien statt. Wenn wir Jugendlichen diese Informationsquelle entziehen würden, wäre das ein demokratiepolitisches Eigentor.“ Zudem könne Social Media auch anderweitig im Alltag sinnvoll genutzt werden, etwa um Freundschaften zu pflegen, den Kontakt mit der Familie zu halten, sich zu Fragen auszutauschen. Anstatt ein Social-Media-Verbot für Minderjährige voranzutreiben, sollte aus Sicht des FAU-Teams deshalb die gezielte Förderung der Medienkompetenz an Schulen nachhaltig gestärkt und die Qualitätssicherung im Kontext Digitalisierung an Schulen ausgebaut werden. „Wir brauchen mehr medienkompetente Lehrkräfte, damit die zukünftige Generation fit gemacht werden kann, die digitale Transformation unserer Gesellschaft mitzugestalten“, betont Professor Dr. Franco Rau."
Quelle
Wissenschaftler*innen der Nationalen Akademie der Wissenschaften „Leopoldina“ empfehlen in ihrem Diskussionspapier die Anwendung des Vorsorgeprinzips, da die intensive Nutzung sozialer Medien bei Kindern und Jugendlichen trotz möglicher positiver Effekte mit psychischen, emotionalen und sozialen Belastungen bis hin zu suchtartigem Verhalten verbunden sein kann. Die überwiegend korrelative Studienlage sowie erste Hinweise aus Längsschnittstudien auf mögliche ursächliche Zusammenhänge begründen aus Sicht der Autor*innen politischen Handlungsbedarf. Vorgeschlagen werden unter anderem eine Altersgrenze von 13 Jahren für Social-Media-Accounts mit elterliche Zustimmung bis 15, eine altersgerechte Gestaltung sozialer Netzwerke, Einschränkungen der Smartphone-Nutzung in Schulen sowie begleitende Bildungs-, Aufklärungs- und Regulierungsmaßnahmen.
Danah Boyd - it's complicated
Eine differenzierte Auseinandersetzung mit der Bedeutung und Funktion sozialer Netzwerke stammt von der Medienwissenschaftlerin Danah Boyd, die uns schon mehrmals in diesem Kurs begegnet ist. Boyd hat über mehrere Jahre hinweg Jugendliche nach ihren Social Media-Aktivitäten befragt, um deren Bedeutung, Funktion und Folgen für Jugendliche verstehen zu lernen.
Sie kommt zu dem Schluss: it's complicated.
Das folgende interaktive Video zeigt einen Ausschnitt aus einer Buchpräsentation von Danah Boyd, in der sie einige ausgewählte Thesen zu Social Media-Nutzung durch Jugendliche vorstellt.
Nehmen Sie sich die 20 Minuten Zeit. Es lohnt sich! Denn vielleicht vermag es Danah Boyd, Ihnen einen neuen Blick auf die Bedeutung und Funktionen von Social Media für Jugendliche zu eröffnen.