Der Prozess des kreativen Denkens

Isaac Newton fällt ein Apfel auf den Kopf: Zack! Graviationsgesetz entdeckt. Doch war es so?

(Oder war es am Ende sogar SO?)
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Made by Arpan Jolly @ Computer Animation, Sheridan College. 2010 https://www.youtube.com/watch?v=jwPc0kK9VHU

Kreative Lösungen basieren in der Regel nicht auf Geistesblitzen, sondern sind Ergebnis eines kreativen Prozesses.
Häufig verläuft dieser in 5 Stufen (vgl. Funke 2000, S. 288f.):

Kreative Einfälle kommen vor allem dann, wenn Sie sich mit einem Thema intensiv auseinandergesetzt haben, wenn Sie also schon einiges an Expertise sammeln konnten. Ohne Kenntnisse über das entsprechende Gebiet wird es Ihnen wahrscheinlich schwerfallen, innovative bzw. kreative Ideen zu entwickeln.

Wenn Sie eine kreative Idee entwickelt haben, ist es häufig sinnvoll, diese etwas ruhen zu lassen. Dahinter steckt die (kognitionspsychologisch mittlerweile gut erforschte) Vorstellung, dass sich Ideen auch im Unterbewusstsein – wie in einem Brutkasten (‚Inkubator‘) – weiterentwickeln: „Am Werk ist hier die Dynamik unseres Gedächtnisses, in dem assoziative Verbindungen zwischen Ideen und Vorstellungen sich im Laufe der Zeit abschwächen und durch neu hinzukommende Informationen überlagert und verändert werden („creative cognition“, vgl. Finke, Ward & Smith 1992).“ (Funke 2000, S. 288f.)

Nach einer gewissen Inkubationszeit dringen die rekombinierten Assoziationen wieder ins Bewusstsein – Heureka! es kommt zu einem Moment der ‚Erleuchtung‘.

Nicht immer jedoch erweist sich das, was da aus dem Unterbewusstsein den Weg ans Tageslicht gefunden hat, auch als wirklich brauchbar. In der Phase der Bewertung wird der kreative Einfall deshalb kritisch beurteilt und seine Brauchbarkeit bzw. Umsetzbarkeit an vorherrschenden Normen und Werten gemessen. Nur dann, wenn er diesen nicht zuwiderläuft, schreitet der kreative Prozess fort.

Dem Erfinder Thomas Edison wird zugeschrieben gesagt zu haben: „Genie bedeutet 1% Inspiration und 99% Transpiration“. Kreativität ist demnach keine Eigenschaft, die man hat oder eben nicht, sondern zu einem Großteil harte Arbeit: Der Weg von einer kreativen Idee zu einem kreativen Produkt ist lang und manchmal steinig. Nur dann, wenn man sich der Idee mit großem Engagement, mit Ausdauer und Begeisterung widmet, kommt es zu einer erfolgreichen Ausarbeitung.
Kreativität als Remix-Aktivität

Laut einer Forschergruppe um den Wirtschaftsinformatiker Christoph M. Flath ist die Wiederverwertung von vorhandenem Wissen, das sog. ‚Remixing‘ unverzichtbarer Bestandteil bei der Entwicklung innovativer Ideen. Vor allem mit dem Aufkommen offener internetbasierter Plattformen hat es in den letzten Jahren seinen Weg von der Welt der Musik und Kunst bis hin zur Gestaltung beliebiger physischer Güter gefunden. In ihrer explorativen Studie über Remixing-Aktivitäten identifizieren Flath et al. (2017) die folgenden Muster von Remixprozessen:

Grafik zur Remix Aktivität
Grafik zur Remix Aktivität
Quelle: Flath, Christoph M. /Friesike, Sascha/Marco Wirth/Thiesse, Frédéric (2017): Copy, transform, combine: exploring the remix as a form of innovation. In: Journal of Information Technology. doi:10.1057/s41265-017-0043-9