Der Medienbegriff von Shannon/Weaver II

Auch wenn uns das Medienverständnis von Shannon/Weaver zunächst als einleuchtend und praktikabel erscheint, darf es nicht unhinterfragt bleiben.

Denn: Shannon und Weaver waren Ingenieuere und als Mitarbeiter einer Telefongesellschaft vor allem an technischen Problemen der Signalübertragung interessiert. So widmeten Sie sich z.B. der Aufgabe, einen Weg zu finden, in Krisen- oder Kriegssituationen Nachrichten möglichst fälschungssicher zu übertragen. Im Vorwort weist Claude Shannon deshalb auf Folgendes hin:

The fundamental problem of communication is that of reproducing at one point either exactly or approximately a message selected at another point. Frequently the messages have meaning; that is they refer to or are correlated according to some system with certain physical or conceptual entities. These semantic aspects of communication are irrelevant to the engineering problem. The significant aspect is that the actual message is one selected from a set of possible messages. The system must be designed to operate for each possible selection, not just the one which will actually be chosen since this is unknown at the time of design. (Shannon, Claude E./Weaver, Warren (1949): The Mathematical Theory of Communication. Urbana: The University of Illinois Press, S. 31.)

Auf zwischenmenschliche Kommunikationssituationen ist der Medienbegriff von Shannon und Weaver also nur eingeschränkt anwendbar: Die Wechselseitigkeit der Kommunikation bleibt unberücksichtigt, der Kontext der Kommunikation spielt keine Rolle, Kommunikation ist mehr als nur die technische Übermittlung von Informationen (denken Sie z.B. an ironische oder nonverbale Kommunikation) etc. Denn gerade bei zwischenmenschicher Kommunikation kommt eben nicht immer das beim Empfänger an, was man als Sender aufs mediale „Transportband“ gelegt hat bzw. legen wollte.
Zwischenmenschliche Kommunikation - die Nachricht kommt verändert beim Empfänger an