Der Medienbegriff von Shannon/Weaver I

Bevor wir über Medienkulturgeschichte nachdenken, sollten wir erst einmal klären, was wir überhaupt unter einem Medium verstehen.

Shannon/Weaver: Das Medium ist ein neutraler Mittler

Eine weit verbreitetes Medienverständnis folgt folgender Definition:

Unter einem ‚Medium‘ (lat. medius ‚in der Mitte von, vermittelnd‘) versteht man eine vermittelnde Instanz in Form eines Übertragungskanals, über den ein Sender ein Signal bzw. eine Information an einen Adressaten übermittelt. Sofern die Übermittlung der Information nicht durch Störungen beeinflusst oder verhindert wird, ist der kommunizierte Inhalt unabhängig vom Medium, über das er transportiert wird. Das Medium verhält sich der Botschaft gegenüber also neutral.

 

Zur Verdeutlichung:
Stellen Sie sich vor, ein Sender möchte eine Information an einen Empfänger übermitteln. Das Medium als Übertagungskanal funktioniert  nach dieser Annahme wie ein Transportband: Das, was man am einen Ende auf das Band legt, kommt unverändert am anderen Ende an.

Ein Medium wird vom Sender zum Empfänger übertragen

Auf einem solchen Medienverständnis basiert das Shannon-Weaver-Modell, ein Sender-Empfänger-Modell benannt nach den amerikanischen Mathematikern Claude Shannon und Warren Weaver. Es geht davon aus, dass es keinen Unterschied mache, ob eine Information über „a pair of wires, a coaxial cable, a band of radio frequencies, a beam of light etc.“ (Shannon/ Weaver 1949, S. 34) übertragen werde: Die eigentliche Botschaft bleibe immer die gleiche.

Übertragung auf verschiedenen Wegen nach Shannon Weaver
aus: Shannon, Claude E./Weaver, Warren (1949/1998): The Mathematical Theory of Communication. Chicago et al.