Emotionswahrnehmung

Wir haben bereits gesehen, dass Emotionen sinnvolle Funktionen erfüllen können. Die Wahrnehmung der Emotion kann dabei helfen, die Emotion nicht zum Problem werden zu lassen. Dies beinhaltet die Fähigkeit, eigene Emotionen bewusst zu erkennen, zu benennen und deren Einfluss auf das eigene Denken und Verhalten verstehen zu können.

Warum ist es wichtig für Lehrkräfte, die eigenen Emotionen wahrzunehmen?

Studien haben herausgefunden, dass die Fähigkeit, verschiedene negative Emotionen zu unterscheiden, mit mehreren positiven psychologischen Faktoren korreliert. So zeigt sich beispielsweise, dass ein höheres Wohlbefinden, gesteigertes Selbstbewusstsein, bessere emotionale Stabilität, weniger depressive Symptome sowie eine geringere Intensität negativer Emotionen mit dieser Differenzierungsfähigkeit einhergehen (Kashdan et al., 2015; Erbas et al., 2014).

Darüber hinaus sind Personen, die über eine gute Emotionswahrnehmung verfügen, besser in der Lage, emotionale Situationen zu erkennen und einzuschätzen. Dies erleichtert es ihnen, ihre eigenen Emotionen effektiv zu nutzen und zu regulieren (Geßler et al., 2019).

Warum ist es wichtig für Lehrkräfte, die eigenen Emotionen wahrzunehmen?

Wir haben Kerstin bereits als eine Lehrkraft kennengelernt, die Freude dran hat, technische Tools im Schulalltag anzuwenden. In der letzten Teamsitzung wurde nun ein neues Programm vorgestellt, welches die kollegiale Zusammenarbeit zukünftig erleichtern soll. Während sie sich über diese neue Möglichkeit freut, verspürt sie aber auch Zweifel, da sie mit dem verwendeten Programm noch keine Erfahrung hat. Kerstin nimmt ihre Emotionen bewusst wahr und erkennt, dass ihre negativen Gefühle aus einem Gefühl der Unsicherheit stammen. Anstatt diese zu verdrängen, entscheidet sie sich, offen mit ihrer Kollegin Lisa zu sprechen. Sie teilt ihre Ängste mit und stellt fest, dass Lisa ähnliche Bedenken hat. Gemeinsam beschließen sie, das digitale Programm an einem Nachmittag auszuprobieren. Durch diesen Austausch kann Kerstin ihre Unsicherheiten abbauen und ihr Wohlbefinden steigern. Ihr Beispiel zeigt, wie wichtig die Wahrnehmung eigener Emotionen für Lehrkräfte ist, auch beim Umgang mit digitalen Medien. Indem sie aktiv an ihrer emotionalen Regulierung arbeitet, fördert sie auch eine unterstützende und positive Lernumgebung im Kollegium.

Übung: Um sich noch eingehender mit Ihren digitalisierungsbezogenen Emotionen zu beschäftigen, können Sie ein kleines Selbstexperiment starten. Notieren Sie für einen längeren Zeitraum Ihre Gefühle wie in der untenstehenden Beispieltabelle. Die unten aufgeführte Emotionsliste, die Sie sich ausdrucken und als Hilfe nutzen können, kann Ihnen dabei helfen zu identifizieren, um welches Gefühl es sich handelt. Diese Übung kann Ihnen helfen herauszufinden, was Ihnen Schwierigkeiten bereitet beim Meistern von herausfordernden Situationen.

Uhrzeit
(z.B. stündlich)
Situation/ Gedanke Anspannung (1-10) Stimmung (-- bis ++) Gefühl Umgang mit dem Gefühl Anspannung nach meiner Maßnahme (1-10)
7:00 Uhr Gedanke: Heute verwende ich zum ersten Mal das neue digitale Tool in der 6. Klasse 8 -- Angst Ich gehe das Tool in der Pause nochmal kurz durch 5
...            
14:00 Uhr Der Einsatz des Tools in der Klasse hat geklappt. An einer Stelle kam ich in der Anwendung nicht weiter, da konnte mir aber ein Schüler weiterhelfen. 2 + Erleichterung Mir vor Augen halten, dass ich es geschafft habe 2
17:00 Uhr Situation: Heute kamen die iPads in die Schule, die ab jetzt eingesetzt werden sollen. Gedanke: Das schaffe ich nicht! 10 -- Überforderung, Verzweiflung Ich verabrede mich mit einer Freundin, um über meine Gefühle zu sprechen 6
...            

Emotionsliste

positiv/angenehm gemischt negativ/unangenehm
Anteilnahme
Begehren
Begeisterung
Belustigung
Beruhigung
Beschwingtheit
Bewunderung
Dankbarkeit
Ehrfurcht
Erleichterung
Euphorie
Freude
Fröhlichkeit
Geborgenheit
Gelassenheit
Glück
Heiterkeit
Interesse
Leidenschaft
Liebe
Lust
Mut
Neugierde
Optimismus
Selbstsicherheit
Selbstvertrauen
Selbstwert
Seligkeit
Sicherheit
Staunen
Stolz
Triumph
Übermut
Verbundenheit
Verehrung
Vergnügung
Verliebtheit
Vertrauen
Wärme
Wohlempfinden
Wohlwollen
Zärtlichkeit
Zufriedenheit
Zuneigung
Zutrauen
Ergriffenheit
Erregung
Heimweh
Hoffnung
Kampflust
Mitgefühl
Mitleid
Rührung
Schadenfreude
Sehnsucht
Spannung
Trotz
Überraschung
Verlangen
Vermissen
Verwunderung
Wehmut
 
Abneigung
Abscheu
Angst
Ärger
Bedauern
Bedrückung
Besorgtheit
Betrübtheit
Beunruhigung
Eifersucht
Einsamkeit
Ekel
Entmutigung
Entsetzen
Enttäuschung
Erniedrigung
Frustration
Furcht
Gekränktheit
Gereiztheit
Groll
Hass
Hoffnungslosigkeit
Kälte
Kummer
Langeweile
Leere
Missfallen
Missstimmung
Misstrauen
Neid
Niedergeschlagenheit
Panik
Ratlosigkeit
Reue
Scham
Schmerz
Schreck
Schuld
Schwermut
Sorge
Trauer/Traurigkeit
Überdruss
Ungeduld
Unlust
Unruhe
Unsicherheit
Verachtung
Verdruss
Verlassenheit
Verlegenheit
Verstimmtheit
Verzweiflung
Widerwille
Wut
Zorn