Dimensionen kreativen Denkens

Der Torrance Tests of Creative Thinking ist ein weit verbreiteter Tests zur Erhebung von Kreativität.
Dabei wird nicht davon ausgegangen, dass Kreativität ein eindimensional zu messender Persönlichkeitsfaktor ist, sondern es werden vier verschiedene Dimensionen kreativen Denkens unterschieden:

  • Fluency (Flüssigkeit): Wie viele Antworten werden gegeben?
  • Flexibility (Flexibilität): Wie viele verschiedene Arten von Antworten gibt es
  • Orginality (Originalität): Wie außergewöhnlich sind die Antworten?
  • Elaboration (Ausarbeitung): Wie detailliert sind die einzelnen Ideen angereichert?
5 verschiedene Personen haben je 5 Kreise mit unterschiedlichen Ideen bespielt

Anna zeichnete die meisten Bilder, obwohl es alles nur Gesichter waren.
Sie hat die höchste Flüssigkeit.


Benjis Antworten bewiesen die größte Vielfalt, obwohl er insgesamt weniger Kreise weitergezeichnet hat als Anna.
Er hat die höchste Flexibilität.


Darlene hat nur zwei Kreise weitergezeichnet, aber niemand sonst hat an einen Ballon oder eine Bombe gedacht.
Sie hat die höchste Originalität.


Eric hat zwar nur Gesichter und nur drei Kreise gezeichnet, aber deutlich detaillierter als die anderen.
Er weist die höchste Ausarbeitung auf.

 

Carol hat zwei Räder und eine Kugel gemalt – immerhin… schön geometrisch. Aber nicht besonders kreativ.

Auch wenn die Forschungen von Torrance das Bild von Kreativität nachhaltig geprägt haben: Empirisch gesehen haben sich die Verfahren für die Erfassung kreativer Prozesse als nicht unproblematisch erwiesen: So lassen sich beispielsweise die Faktoren Flexibilität und Flüssigkeit nicht voneinander trennen, sodass mittlerweile von einem dreidimensionalen Modell ausgegangen wird (Bei sprachlichen Verfahren: Flüssigkeit, Originalität und Flexibilität, bei sprachfreien Verfahren Flüssigkeit, Originalität und Ausarbeitung. (vgl. Lai et al. 2018)